Schule

Geschichte eines Lehrers

Mensch, Micha – wie war das damals noch ?

Die Erinnerungen des „Mister Windmühlenberg“/Von Michael Stremlau

 

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der unsterblich in eine gewisse „Antita“ verknallt war, der todesmutig durch schulterhohe Brennesel-Felder radelte und seine sportliche Karriere im Keller begann. Es ist die Geschichte eines Mannes, der seit 45 Jahren an unserer Schule ist und sich stolz (und das zurecht) als „bekennender“ Lehrer an der Grundschule am Windmühlenberg“ outet. Es ist die Geschichte von Michael Stremlau  Er war von 1960 bis 1966 Schüler, von 1979 bis 1980 Referendar und ist seit 1980 Lehrer am Windmühlenberg. Wir empfehlen Ihnen die Lektüre der Erinnerungen von „Mister Windmühlenberg“.

 

1. Die Einschulung

 

Von der eigentlichen Feier zur Einschulung in die 1.Klasse - die Schule war ja noch einzügig – habe ich Ostern 1960 leider gar nichts mitbekommen. Grund war eine langwierige und schwere Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung, die mich lange ans Bett fesselte. Als Bazillenträger war man auch damals schon nicht gerade willkommen in der Schule. So habe ich von meinen Eltern meine Schultüte ans Bett gebracht bekommen. Erst später im Jahr konnte dann ein Foto von mir vor der Schule aufgenommen werden; für ein übliches Bild mit der Schultüte in der Hand war es da aber schon zu spät.

Mein Zeugnis wies am Ende der 1.Klasse schließlich 66 Fehltage (!) aus, doch ich konnte stolz darauf sein, noch so gut mitgekommen zu sein, dass ich die Klasse nicht wiederholen musste.

 

2. Angst um die Mama

 

Ich erinnere mich, dass ich zuerst gar nicht gern in die Schule ging. Nicht, weil es keinen Spaß gemacht hätte, sondern weil ich immer so eine große Angst um meine Mutter hatte, wenn sie am Vormittag zum Einkaufen „in die Stadt“ (d.h. nach Spandau, nicht in die Westberliner City, „nach Berlin“) fuhr, während ich in der Schule war. Immer wieder gab es deswegen morgens Tränen und regelrecht hysterische Weinkrämpfe. Erst, als sie mir versprach am Vormittag zu Hause zu bleiben, ging ich ganz beruhigt und fröhlich in die Schule. Jahre später erzählte sie mir dann von dieser „pädagogischen Notlüge“, doch ich war schon zu alt, um im Nachhinein darüber enttäuscht zu sein.

 

3. Erster Schwarm

 

Es war üblich, dass sich Schüler und Schülerinnen der 6.Klasse als sogenannte  Paten während der ersten Schulwochen ganz besonders um jeweils einen Erstklässler kümmern sollten, um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern. Meine Patenschaft hatte eine gewisse Anita Lindstädt übernommen, die nicht nur sehr nett, sondern auch wunderschön war, wie ich fand. Ich himmelte sie schon bald an und muss wohl des öfteren mit einer „roten Birne“ umhergelaufen sein. Sie wohnte nahe der Gatower Straße in der Jaczostraße und wir Jungen legten uns so manchen Nachmittag auf unbebauten, verwilderten Nachbargrundstücken auf die Lauer, nur um einen Blick auf sie im Garten ihrer Eltern zu erhaschen. Einmal vergaßen wir dabei so sehr die Zeit, dass wir erst im Dunkeln nach Hause kamen. Zur Strafe dafür bekam ich etwas von meinem Vater „auf den Hintern“, was meiner platonischen, unbemerkten Liebe jedoch keinen Abbruch tat. Ich habe mich aber Anita niemals offenbart ...

 

4. Der Schulweg

Kinder, die (wie heute) fast täglich in die Schule gefahren wurden, kannte ich früher nicht. Autos waren ja noch sehr rar; wir Kinder kannten z.B. vom Autotyp her all die wenigen, die in der eigenen Wohnsiedlung standen, schrieben kleine schwarze Hefte mit deren Autonummern voll und konnten dann sicher die Fahrzeuge und Nummern von zufälligen Besuchern und Gästen herausfinden.

 

Aber bereits lange vor Schulbeginn hatten wir Kinder unserer Siedlung (Weinmeisterhöhe/Zur Haveldüne) eigene einfache Fahrräder, mit denen wir die nähere und weitere Umgebung (Bocksfelde, Scharfe Lanke, Rieselfelder, Gatower Felder und Wälder) erkundet haben und dann auch schon recht sicher zur Schule fahren konnten. Besonders gefährlich war dies nicht, da die Verkehrsdichte ja noch sehr gering war.

 

Der angelegte Radweg entlang der Gatower Straße existierte noch nicht; wir bevorzugten eine Art Trampelpfad, der mit vielen Kurven und Aufs und Abs im Dickicht des heute noch vorhandenen kleinen Waldstreifens zwischen der Gatower Straße und den Rieselfeldern verlief. Durch den täglichen Gebrauch bauten wir ihn zu einer regelrechten „Rennstrecke“ im Pfadformat aus, der nur in den Sommerferien eine Chance hatte wieder zuzuwachsen. Er war so schmal, dass man sich nicht überholen konnte und der Erste gab dann das oft waghalsige Tempo an.

 

Eine besondere Mutprobe war das schnelle Durchqueren von schulterhohen Brennnesselfeldern; in unseren kurzen Sommerhosen war es oft recht schmerzhaft. Wo die Bebauung in Gatow anfing (heutige Siedlung Havelblick), schwenkten wir dann auf die Gatower Feldwege um, die breiter bis zur Schule führten. Toll war es, wenn wir hier einen Lehrer der Schule trafen (z.B. Herrn Lemke oder später auch Herrn Lehmann, bis sie ein Auto besaßen), um uns mit ihm ein kleines Radrennen zu liefern – die Lehrer waren auch als Radfahrer gut in Form ! Nach der Schule führte der Rückweg entweder über die Rieselfelder oder aber auch hinter der Villa Lemm am Uferweg der Havel bis nach Hause; auch da rasten wir oft den Lehrern hinterher.

 

5. Herr Lemke

Herr Lemke verkörperte einen typischen Dorfschullehrer; kräftig, zupackend, der Natur zugewandt, mit profunden Sachkenntnissen, verständnisvoll, jovial, gemächlich-freundlich und hilfsbereit. Er war von großer, etwas breiter Statur und stets so gut gebräunt, dass von meiner drei Jahre älteren Schwester Monika das Erstklässler-Zitat „Herr Lemke war ja früher auch mal Neger“ verbürgt (und nachvollziehbar) ist. Ich erinnere mich an die schweißtreibende Schulgartenarbeit mit ihm (auf einem kleinen Feld inmitten des Schulwäldchens mit Wasseranschluss (!) hinter dem heutigen Kunstrasen-Fußballplatz), aber auch an sein virtuoses Geigenspiel im Musikunterricht, das wir seinen derben und dicken Pranken gar nicht so recht zugetraut hatten. Der Biologieunterricht lief bevorzugt im Freien, am Naturobjekt selbst ab, Wandertage hatten selten ein anderes Ziel als den Gatower Forst, die Gatower Felder oder das Havelufer, aber ich kann mich nicht erinnern, dass uns das je gestört hätte.

 

6. Mit dem Bus und zu Fuß zur Schule

Natürlich fuhren wir nicht bei jedem Wetter, jeder Witterung mit dem Rad zur Schule, wenngleich auch überwiegend, um unabhängiger zu sein. Aber auch die Fahrten (für zwei Groschen) mit den BVG-Bussen der Linien A 34  und A 35 waren im Winter und bei schlechtem Wetter ein kleines Abenteuer, hatten die frühen Exemplare mit der langen „Schnauze“ (Motorhaube) ja im hinteren Teil noch eine offene Plattform, auf der sich zumeist der Busschaffner (mit seiner umgehängten, technisch-faszinierenden Münzwechslerkasse) aufhielt. Wenn man als Kind höflich fragte, durfte man auch „draußen“ bleiben, musste sich aber auf diesem wippenden, schwankenden Freiluftheck immer gut festhalten, während knapp drei Meter neben einem der Rinnstein vorbeiraste und bei Regenwetter große Spritzfontänen bis auf den Gehweg prasselten.

 

Kindlicher Höhepunkt einer solchen Fahrt war es dann vom Schaffner noch einen leeren Fahrkarten-Abreißblock zu erbitten (der sonst weggeworfen wurde), um ihn in der häuslichen Sammlung aufzunehmen. Das Oberdeck war bei uns Kindern nicht so beliebt. Man saß zu viert oder fünft nebeneinander auf den langen Sitzreihen und kam mit der Schulmappe auf dem Rücken nur schwer die enge Treppe hinauf oder herunter; außerdem war dort die Luft wegen der Raucher stets übel verqualmt.  Dann schon lieber Frischluft tanken !

 

An der Gatower Kirche angekommen, führte die Straße 227 (heute Plievierstraße) geradlinig auf den kleinen Laden im Haus des Bäckers Krause zu (noch heute an der relativ großen Scheibe zu erkennen), in dem unser geringes Taschengeld pfennig- und groschenweise den Besitzer wechselte und in kleine Tütchen mit Bonbons, Zuckerstangen, Liebesperlen, Lakritzschnecken oder Brausepulver umgetauscht wurde. „Wundertüten“ mit überraschendem Inhalt waren der große Renner !

 

Jetzt musste man sich allerdings schon ziemlich beeilen, um nicht zu spät in der Schule anzukommen. Zum Glück brauchten wir nicht dem gewundenen Lauf der Straße 268 (heute Am Berghang) zu folgen, sondern konnten stracks die Höhe des Windmühlenbergs erklimmen, um dann bergab direkt auf die Grundschule zuzulaufen – die Bebauung am unteren Teil des Bergs fehlte noch vollständig. Im Winter war dieser Hang denn auch eine unserer bevorzugten Schlittenbahnen.

 

7. Die Schulspeisung

Die dritte, im wahrsten Sinne des Wortes „coolste“ Möglichkeit in die Schule zu kommen, war schließlich die Mitfahrt auf der zugigen Ladefläche eines klapprigen, dreirädrigen „Tempo-Lastwägelchens, dessen Fahrer uns manchmal an der Haltestelle rasch hinten aufsteigen ließ, wenn er uns dort warten sah. Er belieferte unsere Schule täglich mit großen Thermosbehältern, die mit warmem Haferschleim gefüllt waren, der im Keller (heute: Mehrzweckraum) in der großen Pause in Alunäpfen zusammen mit warmem Kakao an die Schüler verteilt wurde. An den Geschmack habe ich leider keine deutliche Erinnerung mehr; ebenso wenig weiß ich, wann diese Maßnahme schließlich eingestellt wurde, aber ein paar dieser Alunäpfchen werden bis heute immer noch im selben Keller zum Anrühren von Farbe oder Gips verwendet ...

 

8. Schulgebäude und Schulgelände

Überlege ich heute, wie zu meiner Grundschulzeit  (d.h. in den Jahren 1960 – 66) das Schulgebäude und -gelände ausgesehen haben,  so fällt es schwer sich die Gesamtanlage der erst  in den Jahren 1991 – 94 im Nordwesten entstandenen Turnhalle mit ihren teilweise unterirdischen und unter einem Hügel verschwundenen Nebenräumen „wegzudenken“. Auch der sogenannte „Anbau“ mit drei zusätzlichen Klassenräumen südlich („links“) der Eingangshalle ist ja erst 1985 hinzugekommen. Früher befand sich hier in etwa gleicher Ausdehnung die marode Deckenplatte eines „abgesoffenen“ Kellerlabyrinths, das vom heutigen Mehrzweckraum durch eine schwere, verriegelbare Luftschutztür getrennt war. Wie das Gebäude sich nach Süden hin fortsetzen sollte, ist nicht bekannt. Die Deckenplatte durften wir Kinder jedenfalls nicht betreten; der Keller wurde später vor der Errichtung des Anbaus mit Sand aufgefüllt. Eingangshalle und Aula besaßen da noch je ein großes Fenster an ihrer SW-Ecke, welches aus brandtechnischen Gründen zugemauert werden musste, von außen aber noch erkennbar ist.

 

Das Erdgeschoss des Schulgebäudes war in relativ kleine Klassen-, Sammlungs- räume eingeteilt. Es gab die Toiletten, die Hausmeisterwohnung sowie ein sehr kleines Lehrerzimmer und der lange Flur wurde hin und wieder durch kleine Ausbuchtungen unterbrochen, die mit Trinkbrunnen zur Selbstbedienung der Schüler (sehr praktisch !) versehen waren. Der 2.Ausgang auf den Schulhof ging auch von solch einer Flurnische aus. Das Obergeschoss war ähnlich aufgeteilt.  Erst 1988 – die Schule war längst zweizügig geworden – schloss man im Rahmen einer Grundmodernisierung die Nischen, setzte neue Wände und Türen, nahm alte weg und optimierte auf diese Weise die vormals sehr ungünstige Raumaufteilung. Sehr viel später (Frühjahr  2000) wurde die Hausmeisterwohnung dann noch um einen separaten Raum im Obergeschoss erweitert.

 

Vor dem jetzigen Nordausgang befand sich ein großer gedeckter Fahrradständer. Der Schulhof war eine einzige riesige Wiese, die die Trockenzeiten im Sommer immer recht gut verkraftete und stets in feuchteren Zeiten wieder satt ergrünte. Ihr nördlicher Rand wurde von einer Hecke begrenzt, die der Anlaufbahn zur Weitsprunggrube Windschutz gab. Hinter der Sprunggrube befand sich noch ein hohes freistehendes Gestell mit senkrechten Kletterstangen und einer Ringe-Turnanlage, wie man sie heute nur noch innerhalb von Turnhallen vorfindet. Daneben standen noch mindestens zwei fest montierte Barren, deren Holme immer mit einer schwer abhebbaren Abdeckung aus Dachpappe gegen äußere Witterungseinflüsse geschützt waren. Diese Außenturnanlagen flößten mir eher Angst ein als dass sie mich zu sportlichen Höchstleistungen ermutigten. Als die Weitsprunganlage zu ihrem jetzigen Standort auf dem Sportplatz hin wechselte, wurden sie schließlich abgerissen und durch Spielgeräte ersetzt.

Der heutige Kunstrasenplatz war damals nur ein unbefestigter Bolzplatz, hinter dem sich dann das noch heute vorhandene Schulwäldchen erstreckte. Hier befand sich früher ein übersichtlich angelegter Schulgarten mit eigenem Wasseranschluss und einigen großen Beeten, Obstbäumen und Beerengehölzen, die wir im Sommer – auch heimlich während der Pausen – nur zu gern beernteten. Dieses einst regelmäßig bewirtschaftete Gelände hat die Natur sich längst zurückerobert und ist heute kaum mehr auffindbar.

 

9. Der Turnkeller

Im Wortsinne besonders „düster“ erinnere ich mich an den sogenannten  „Turnkeller“ im Untergeschoss der Schule – es ging wirklich in den Untergrund, denn die Kellerräume waren sonst für uns Schüler tabu und nicht zugänglich. Gemeinsames Umziehen war im Klassenraum angesagt, dann ging es in zwei dunkle Kellerräume, schlauchartig aneinandergereiht, mit ca. 30 Metern Länge bei 4 ½ Metern Breite. Mauervorsprünge unterteilten sie in der Mitte; nicht ungefährlich auch ein verrosteter Ausguss und unverkleidete Heizkörper, die aus den kalkigen Wänden hervortraten. Die Decke – grob verputzt – war niedrig und nur spärlich beleuchtet, der Boden aus Beton, bloß eben mit einer dünnen Lage Linoleum bedeckt. Der Blick schweift zu den Fenstern: einfach verglaste, zugige Sprossenfenster, gegen eine steile Böschung gerichtet, die den Blick auf den grünen, lichten Schulhof versperrten. Dies alles waren Bedingungen, die mein aufkeimendes Interesse am Schulsport nicht eben positiv beeinflussen sollten ...  Natürlich gab es auch ein paar Geräte: Sprossenwände, bei denen man sich im oberen Drittel bereits an der Decke den Kopf stieß, einige Schwebebänke, die – als Rutsche in die Sprossenwand eingehängt – uns Kinder direkt vor die Heizkörperrippen plumpsen ließen; speckige, schwere Ledermatten (mit unverkennbarem Geruch nach Käsefußen) fürs Bodenturnen sowie mehrere Kästen und Böcke, die man in der Enge ohnehin nur schwer manövrieren konnte. Beim Bocksprung mussten die großen Schüler bereits aufpassen und ihre Köpfe einziehen...

 

Schülerzahlen von durchschnittlich 28 bis 30 Kindern pro Klasse (1964) führten wohl zu einer derart drangvollen Enge, dass unsere Lehrer es so manches Mal während der Wintermonate vorzogen, mit uns ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen oder auch turbulente Schlittenfahrten in Licht, Luft und Sonne der Gatower Umgebung und des Windmühlenbergs zu unternehmen. Dies kam meinen ohnehin eher freizeitsportlichen Interessen (Radfahren, Ballspielen, Baden, Segeln und Kanufahren) sehr entgegen. Und so beunruhigte mich als Grundschüler das Fehlen einer „richtigen“ Turnhalle nicht besonders, waren doch die schulsportlichen Bedingungen in den Leichtathletik-orientierten Sommermonaten durch die ausgedehnten grünen Sportanlagen mehr als hervorragend !

 

P.S.:  Meine Sport-Zensuren „erholten sich“ an der Oberschule allerdings nie wieder von dieser miserablen Vorbereitungszeit und blieben bis zum Abitur „im Keller“...

 

10. Orff’sches Instrumentarium

mit Herrn Gollasch

 

Eine sehr schöne Einrichtung an der Schule war das Schülerorchester unter der Leitung von Herrn Gollasch, das sich stets aus einer Flötengruppe und sogenannten Orff’schen Instrumenten (Glockenspielen, verschiedenen Xylophonen, Metallophonen sowie perkussiven Instrumenten) zusammensetzte. Bei allen besonderen schulischen Veranstaltungen, Einschulungs- und anderen Schulfeiern trat das Orchester in großer Formation auf, und Herr Gollasch komponierte die Lied-Begleitsätze überwiegend selbst. Seine Lieblingsmelodie war „Freude schöner Götterfunken“, die wir zu allen Gelegenheiten spielten. Klar, das Üben dafür war oft nervig und langwierig, aber die Auftritte machten uns allen Spaß. Je nach unseren Fähigkeiten wurden wir an den verschiedenen Instrumenten eingesetzt; jeder hatte so sein Erfolgserlebnis! Ein Höhepunkt während meiner Schulzeit war die Einweihung der verschiedenen Häuser des „Albert-Schweitzer-Kinderdorfs“ südwestlich der Schule in den Jahren nach 1964, wo wir natürlich nicht fehlen durften und sogar die „Berliner Abendschau“ mit einem Aufnahmeteam zugegen war.

   

11. Englisches Kooperationsprojekt

Bereits während der letzten Schuljahre meiner Grundschulzeit bestanden freundschaftliche Kontakte zwischen der Grundschule am Windmühlenberg und der britischen Havel-Middle-School auf dem ehemaligen britischen Militärflughafen Berlin-Gatow (heute Einzelgebäude der General-Steinhoff-Kaserne). Über die Anfänge des sogenannten „Deutsch-Englische Projekt“ gibt ein kleiner Schulaufsatz, den ich 1965 verfasst habe, Auskunft:          

        „Unser Schüleraustausch mit den Engländern“

In jeder Woche machen wir einen Schüleraustausch mit der englischen Schule. In der zweiten Stunde kommt ein großer englischer Bus mit sechs englischen Kindern vor die Tür gefahren. Gleichzeitig fahren sechs Kinder aus unserer Klasse zur englischen Schule. Ich will jetzt erzählen, was wir immer in der englischen Schule tun. Wir sechs Kinder gehen, wenn wir vor der Schule angekommen sind, zur Klasse 7x zu Mr. Davies. Dann bekommen wir unser „English work-book“ in die Hand gedrückt und müssen ein Gedicht abschreiben.

In der zweiten Stunde haben wir Chemie. Deshalb müssen wir in einen nahegelegenen Chemieraum gehen. Dieser hat fünf Tische mit Strom-, Wasser- und Gasanschlüssen. In Chemie haben wir schon zwei ganz gute Versuche gemacht.

 

In der dritten Stunde müssen wir zu dem englischen Gedicht ein Bild zeichnen. Das ist ganz schön schwer, besonders dann, wenn man nicht weiß, wovon das Gedicht handelt!!! Nach dieser Stunde trinken wir Kakao oder Milch und gehen dann auf den Hof, um den spielenden Kindern zuzugucken. Nach dieser kleinen Pause gehen wir wieder in die Klasse und schreiben von einem kleinen Heft, in dem Fragen stehen, die Antworten in unser Heft.

Dann nehmen wir unsere Stühle und rücken nach vorne zum Lehrer, der mit uns dann das Gedicht und die Übungen durchspricht. Doch dann zeigt die Küchenuhr in der Klasse „half past twelve“, und wir müssen die Hefte an Mr. Davies zurückgeben. Wir sagen „Good-bye“ und rennen zum englischen Bus, der uns bis zur Gatower Kirche bringt. Von da aus fahren wir mit einem BVG-Bus nach Hause.

 

Ich finde, dass wir diesen Schüleraustausch immer machen sollten.“

Wie sich das Deutsch-Englische Projekt rund 20 Jahre lang bis zu seiner Einstellung im Jahr 1983 weiter entwickeln sollte, wird an anderer Stelle dieser Festschrift berichtet.